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14.02.2019
Älter, bunter, weniger - Die Gesellschaft im Wandel

Älter, bunter, weniger - Die Gesellschaft im Wandel

Die Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Bevölkerung ist Hauptthema im Fachgebiet der Demografie. Bernd Maelicke differenziert die Überschrift und nennt explizit drei Richtungen in der die wissenschaftliche Disziplin forscht. Diese sind die Beschäftigung mit der Bevölkerungsstruktur, der Bevölkerungsbewegung und der Bevölkerungsverteilung. Aktuelle Daten, die über Stichproben und Volkszählungen generiert werden, bilden die Grundlagen um Vergleiche mit Aufzeichnungen aus der Vergangenheit herzustellen oder Zukunftsprognosen zur Bevölkerungsentwicklung aufzustellen (vgl. Maelicke 2008: S.221). Die negative demografische Entwicklungsprognose, die das statistische Bundesamt in der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung veröffentlichte, geht einher mit einer Bevölkerungsverringerung (Statistisches Bundesamt 2015: S. 16). Entstehend aus einem Überhang an sterbenden Menschen und einer geringeren Geburtenrate wird auch das von der Bundesregierung entgegnete Argument, dass eine hohe Migration nach Deutschland und eine wieder zunehmende Geburtenrate die Bevölkerungszahl auf dem heutigen Stand stabilisiert, nichts ändern (vgl. Kühn 2017: S.1; Statistisches Bundesamt 2015: 16). Denn trotz der jüngsten Einwanderungsentwicklung und die dadurch bunter werdende Gesellschaft, wird diese Entwicklung die Bevölkerung nicht stabilisieren können. Das Statistische Bundesamt (2015: S.16) spricht von einer Bevölkerungsverringerung die sich im Jahr 2060 auf 358 000 Menschen weniger im Vergleich zu heute. Ausschlaggebend sind die geburtenstarken Jahrgänge aus den 1950er und 1960er Jahren, die von Aner et al. (2007: 14ff.) als neue Alte bezeichnet werden und auch mal die alten Alten sind (vgl. 2007: 13ff.).  Aufgrund einer fehlenden ausgleichenden Geburtenzahl ergibt sich die Lücke zwischen der Mortalitätsrate und der Geburtenrate (Statistisches Bundesamt 2015: 14) und die Gesellschaft wird immer weniger. Zudem folgt, dass bei sinkender Gesamtbevölkerung die Anzahl der Älteren (60+) zunimmt. Die wachsende Kinderlosigkeit lässt einen Überhang an älteren Menschen entstehen, welcher durch eine steigende Lebenserwartung potenziert wird (vgl. Maelicke 2008: 221). Seit 160 Jahren steigt die Lebenserwartung auf ca. ein viertel Jahr (vgl. Lemme 2009: 119).  Dadurch beläuft sich die derzeitige Lebenserwartung bei Frauen im Durchschnitt auf 82 Jahren und bei Männern auf 77 Jahren. Durch die veränderten Rahmenbedingungen ist der gesellschaftliche Wandel bereits in Deutschland angekommen und kurz gefasst wird die Bevölkerung älter, bunter und weniger. Festzuhalten bleibt, dass die Bevölkerungsentwicklung abhängig ist von der Geburtenrate, der Sterberate, die Ein- und Auswanderung von Menschen nach Deutschland und die Lebenserwartung (vgl. Kühn 2017: S. 1).

Die „neuen Alten“ stellen dahingehend eine privilegierte Gruppe dar, da sie von dem medizinischen und sozialen Fortschritt, einer guten Gesundheitsversorgung und einem wirtschaftlichen Wohlstand profitieren können. Weiterhin unterstützend ist die finanzielle Zuwendung ihrer Eltern, eine bessere Schulbildung und dadurch sichere und kontinuierliche Arbeitsverhältnisse (vgl. Aner et al. 2007: 9; Ferner 2016: 14). Die gewonnene soziale Sicherung und Lebenszeit nutzt die „Erfolgsgeneration“ auch im Älterwerden. Indem Sie aktiv, kreativ, aufgeschlossen das Leben in der 3. Lebensphase nutzen. Viel reisen, kulturelle Angebote wahrnehmen oder in Volkshochschulen und Universitäten Weiterbildungen belegen (vgl. Aner et al. 2007: S.13).

Dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind die erweiterten Möglichkeiten im Alter bekannt, die mit mehr Lebenszeit, einer besseren Gesundheit und zahlreichen zugeschnitten Freizeitangeboten einhergehen. Das Volumen an Menschen die in die nachberufliche Phase eintritt nimmt zudem zu, sodass mehr “neue Alte” zu verzeichnen sind. Somit ist ein gesellschaftliches umdenken angestrebt, welches ein neues politisches Denken für Ältere um neue Bilder vom Alter impliziert. Hierzu tagt ein runder Tisch „Aktives Altern“ der in den Mittelpunkt die soziale Teilhabe und ein gutes Leben stellt (vgl. Ferner 2016: 30). „Das Thema Alter sollte noch stärker als bisher als eine „Lebensphase der Chancen“ in den Blick genommen werden“ (Ferner 2016:30). Aufgrund der Beweglichkeit der „neuen Alten“ eruieren Aner et al. (2007: 9) eine gesellschaftliche Beitragsfähigkeit in Form eines bürgerschaftlichen Engagements, welches über eine aktivierende Sozialpolitik, Schaffung von Engagementmöglichkeiten und neue Bildungsarbeit für Ältere zu erreichen sei. Der soziale Wandel macht vor dem Alter nicht halt. Gabriele Kleiner deutet zu diesem Thema auch nochmal auf die Zielformulierung hin, wie der Stärkung des Selbsthilfepotential und der Eigenverantwortung und versteht darunter die Ablösung wohlfahrtsstaatlicher Maßnahmen durch aktivierende. Hinzu kommen eine fehlende Solidarität zwischen den Generationen und die steigenden Pflegekosten. Somit spricht Kleiner Folgen für die “neuen Alten” unter der  demografischen Entwicklung an, die „zur Gefährdung der Integration der Menschen” (Kleiner 2012: 272) beiträgt, bei denen es an fehlenden Ressourcen mangelt. Um die soziale Teilhabe ältere Menschen zu verbessern, sind Zugänge so zu gestalten, dass sie ihre Interessen äußern können, sich an gesellschaftlichen Prozessen beteiligen, auf dieselben Einfluss haben, sich sozial und kulturell auseinandersetzen, diesen Bereich auch mitgestalten und eigene Erfahrungen in sozialen Beziehungen einbringen können (vgl. Lemme 2009: 123).

Sowohl neue Engamentfelder für die “neuen Alten” als auch die Förderung der sozialen Teilhabe älterer Menschen sind Bereiche die sich die Stadt Hannover als Aufgabe gesteckt hat. Mit dem Fachbereich Senioren (Fachbereich Senioren) wurde im Jahr 2003 eine Fachabteilung geschaffen, um die verschiedenen Lebenssituationen älterer Menschen zu erfassen. Hierzu zählen u. a. die wirtschaftliche Hilfen in Heimen und Pflegeeinrichtungen, Städtische Alten- und Pflegezentren und der Kommunale Seniorenservice. Ältere Menschen können sich mit Ihren Anliegen an das Seniorentelefon wenden um Hilfe und Unterstützungen zu erhalten. An dieser zentralen Stelle werden Anfragen gezielt an die entsprechenden Ansprechpersonen verteilt. Damit wird älteren Menschen die Möglichkeit bereitgestellt Ihre Probleme oder Schwierigkeiten zu äußern aber auch vorhandene und bestehende Hilfen in Anspruch zu nehmen. Ebenfalls sind Außenstellen vom Senioren- und Pflegestützpunkt in verschiedenen Stadtteilen vorhanden an die sich ebenfalls Senior*innen wenden können (Seniorenberatung Hannover).

Um das bürgerschaftliche Engagement zu fördern, sind zahlreiche Angebote, nicht nur im Fachbereich Senioren vorhanden. Viele Einrichtungen und Organisationen in der Stadt bieten interessierte Menschen in sozialer, kultureller oder sportlicher Richtung die unterschiedlichsten ehrenamtlichen Angebote (Freiwilligenzentrum Übersicht Engagement ). Die Stadt Hannover selbst bietet, unabhängig vom Alter, Bereiche für freiwillig Engagierte die sich über Einzel- und Gruppenangebote erstrecken. In der Gruppenarbeit können Engagierte neue Angebote kreieren, Veranstaltungen oder ihr Hobby mit anderen teilen. In der Einzelarbeit werden Menschen begleitet, die Hilfe im Alltag benötigen, beim Ausfüllen von Formularen sowie kleine handwerkliche oder technische Unterstützung benötigen oder Gespräche führen möchten (Ehrenämter Stadt Hannover).

Mit all den verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten für ältere Menschen aber auch die Möglichkeit sich freiwillig zu engagieren, soll der Ansatz der Bundesregierung aufgegriffen werden, auf die Entwicklung der Gesellschaft mit Möglichkeiten zu reagieren, neue Hilfen für Senior*innen zu generieren aber auch interessante Angebote zu schaffen die Menschen bewegen sich für ein ehrenamtliches Engagement zu begeistern.

 

Verfasst von Melanie Siemroth M.A.

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Literaturverzeichnis

Aner, Kirsten et al. (2007): Die neuen Alten – Retter des Sozialen? Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Ferner, Elke (2016): Strategien zur Bewältigung des demografischen Wandels

in Deutschland und Japan. In: https://www.bmfsfj.de/blob/117200/3de288fb0376de06b8b659ccc0f90633/strategien-zur-bewaeltigung-des-demografischen-wandels-in-japan-und-deutschland-data.pdf, letzter Zugriff: 20.11.2018.

Kleiner, Gabriele (2012): Gemeinwesenarbeit im demografischen Wandel. In: Kleiner, Gabriel (Hrsg.): Alter(n) bewegt. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaft, S. 271-280.

Kühn, Franka (2017): Die demografische Entwicklung in Deutschland, in http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/demografischer-wandel/196911/fertilitaet-mortalitaet-migration, letzter Zugriff: 20.11.2018.

Lemme, Roswitha (2009): Älter werden im Quartier - Raumaneignung als Gesundheitsressource. In: Alisch, Monika (Hrsg.): Lesen Sie die Packungsbeilage. Opladen&Farmington Hills: Barbara Budrich Verlag, S. 119-136.

Maelicke, Bernd (2008): Lexikon der Sozialwirtschaft. Baden-Baden: Nomos.

Statistische Bundesamt (2015): Bevölkerung Deutschland bis 2060. In: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2015/bevoelkerung/Pressebroschuere_Bevoelk2060.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 20.11.2018.

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